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	<title> &#187; Afrika</title>
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	<description>Reisegeschichten aus aller Welt</description>
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		<title>Klein Siri und die Entdeckung der Sprache</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2014 13:34:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Globale Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Wie die Begegnung mit einem kleinen Mädchen das Größte für mich und mein Französisch war.</p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich waren wir da. An schon wieder einem neuen Ort. Die letzten Tage hatten wir turbulent jeden Tag woanders und mit wem anders verbracht. Das war toll und aufregend und anstrengend. Jetzt war es mitten in der Nacht und wir wollten einfach nur ankommen. Und das taten wir auch. In einem wunderbaren, azurblauen Haus genau an der Klippe zum Meer. Abdellabrahim war der Haushüter und empfing uns trotz eigener Schlaftrunkenheit mit großer Herzlichkeit und tigergemusterter Bettwäsche. Die machte sich ganz hervorragend auf unserem Bett, in dem meine Freundin Isi und ich bereits beim hineinfallen einschliefen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-556" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/2_Haus_Panorama-808x185.jpg" alt="2_Haus_Panorama" width="808" height="185" /></p>
<h3></h3>
<p>Am nächsten Morgen war alles wieder frisch und fröhlich und wir erkundeten erst einmal, wo wir eigentlich waren. In Abdellabrahims Burgfestung. So zumindest fühlte sich das Haus an. Das Haus stand in einem kleinen Dorf zwischen Tagazhout und Essaouira in Marokko. Es hatte etwa sieben Zimmer, die alle Schlafplatz für mehrere Leute boten. Zudem eine Küche voller selbstgemachter Köstlichkeiten und zwei sporadische Bäder – eines davon sogar mit Warmwasser.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-557" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/3_Haus_Wäsche1-808x606.jpg" alt="3_Haus_Wäsche" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Aber die Räume waren es nicht, die das Haus ausmachten. Alles Leben im Haus spielte sich draußen ab. Jedes der Zimmer führte zur großen Terasse, die wiederum zum Meer führte. Sie hatte ein wahnsinniges Panorama über eine riesige Bucht. Wasser, Wellen, Berge und ganz viel Himmel. Von hier konnte man Sonnenauf- und untergang sehen. Genauso ging auch der Mond jeden Abend genau gegenüber hinter den Bergen auf. Als würden sich Sonne, Mond und Sterne wie Planeten um die Terasse drehen. Morgens schwirrte immer ein frischer Brotduft auf der Terasse umher und glückliche Marokkaner liefen mit beschwingtem Schritt und voller Brottüte vorbei. Denn genau unter der Terasse war eine kleine Bäckerei, die frische Brotlaibe aus Argannussschalen backte. Das war die schönste Location, die sich eine Bäckerei wünschen konnte.</p>
<p>Wenn man über die Terassenmauer kletterte, musste man sich nur noch die Füße an spitzen Steinen aufratschen und schon war man ohne Umwege direkt unten am Meer. Salzwasser ist schönerweise gnädig zu Fußwunden, denn die sammelten wir hier.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-559" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/5_Bäckerei_Eingang-808x606.jpg" alt="5_Bäckerei_Eingang" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-558" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/4_Bäckerei_view-808x606.jpg" alt="4_Bäckerei_view" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Zudem gab es einen großen Holztisch, an dem immer alle Hausbewohner zum Essen zusammenkamen. In diesem Draußenhaus konnte man einfach bleiben und man würde nie etwas verpassen. Zur Straße hin war es mit einem hohen Zaun und einem großen Tor abgeschirmt. Das war zwar gar nicht nötig, weil es auf der friedlichen Straße nichts zu fürchten gab, aber es war trotzdem eine Ehre von Abdellabrahim den kleinen Fingertrick verraten zu bekommen, mit dem man das Tor öffnete. Den verriet er nicht vielen. Wir fühlten uns jedenfalls wie mit einem besonderen Staatsgeheimnis vertraut.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-560" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/6_Haus_Terasse_Surfbretter-808x606.jpg" alt="6_Haus_Terasse_Surfbretter" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Später stellten wir fest, dass wir uns jedesmal so fühlten, wenn Abdellabrahim uns etwas erzählte. Abdellabrahim war ein Mann, der alles, was er tat mit großer Hingabe und großem Geschickt tat. Ursprünglich kommt er aus einem kleinen Berberdorf mitten in Marokkos Bergen, dann wurde er Fischer, zog in dieses kleine Fischerdorf und gründete hier eine Familie. Mit dieser lebt er jetzt als Haushüter in diesem wunderbaren, azurblauen Haus, das durch Abdellabrahims Beschützeraura wie eine sichere Festung erscheint. Hier empfängt er regelmäßig Gäste wie uns. Aber nur über Freunde oder Freundesfreunde, Fremdlinge kommen ihm nicht ins Haus. Für die fängt er dann keinen Fisch mehr, aber kocht ihn. So gut, wie kein Sternekoch es kann, sagen alle Dorfbewohner. Alle Marokkaner zwischen Essaouira und Agadir, die gut Fisch kochen können, haben es von ihm gelernt, sagen die Dorfbewohner. Abdellabrahim ist bei allen bekannt als der Fischflüsterer. Einmal fuhren wir mit ihm und einem Eimer frischer Fische sogar bis nach Essaouira, damit er diese mit einem Freund zubereiten konnte. Nur zubereiten, nicht essen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-561" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/7_Fischeimer-808x606.jpg" alt="7_Fischeimer" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Seine Frau Fatna lernte er traditionell marokkanisch kennen: Eines Tages wurde Abdellabrahim von einem Freund angerufen und gefragt, ob er heiraten wolle. Er habe da jemanden. Also trafen sich Abdellabrahim und Fatna in einem Café. Sie unterhielten sich über Stunden, fanden sich toll und beschlossen daraufhin zu heiraten. „Fatna never went to school. But Fatna is good wife, good wife. Love of my life!“, sagt Abdellabrahim voller Inbrunst. Was Fatna sagt, weiß ich nicht, sie spricht nicht viel und wenn, dann arabisch. Aber sie hat ein fröhliches Lächeln und ein entspanntes Gemüt. Auch ihre jüngere Schwester Amara lebt mit in der Familienburg. Amara geht noch zur Schule und möchte später einmal Mathematikerin werden. Ich hoffe sie hält daran fest.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-562" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/8_AmaraMohammed-808x1077.jpg" alt="8_Amara&amp;Mohammed" width="808" height="1077" /></p>
<h3></h3>
<p>Abdellabrahims und Fatnas erstgeborenes Kind ist Siri. Ein Mädchen. Darüber war Abdellabrahim erst enttäuscht, aber als er sie dann ansah, wurde er erleuchtet, wie er sagt. „Kids are the best that can ever happen to you. Kids are the reason. And Siri is so wonderful.“, sagt er öfter und dann drückt er sie ganz fest. Trotzdem musste noch ein Junge her: Mohammed ist knapp zwei Jahre alt.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-563" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/9_AbdellabrahimSiri-808x606.jpg" alt="9_Abdellabrahim&amp;Siri" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Siri ist sechs Jahre alt, total klein, total smart und total süß. Am frühen ersten Morgen war sie noch etwas schüchtern, doch das legte sie schnell ab, kam ständig zu Isi und mir gelaufen und erzählte uns Geschichten. Bis sie merkte, dass wir kein Wort von ihr verstanden. Leider. Zu gerne hätten wir Geschichten über glitzernde Fische und lila Regenbogen gehört. Das waren ihre Lieblingsthemen, wie wir später erfuhren. Ihr Arabisch-Französisch-Mix klang zwar niedlich, aber auch wie Spanisch in unseren Ohren. Ihr Vater erzählte uns, dass sie normalerweise nie im Haus sei, wenn Gäste da sind. Menschen, die sie nicht verstehen, waren also neu für sie.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-564" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/10_Siri_wirII-808x606.jpg" alt="10_Siri_wirII" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Wir saßen auf der Terasse des Hauses und starrten uns alle drei wortlos an. Wir konnten förmlich sehen, wie sie an einem anderen Weg grübelte, mit uns zu kommunizieren. Bis Siri die Gesten entdeckte. Mit wildem Händewirbeln bedeutete sie uns zu tanzen, zu springen, sie hochzuheben, hochzuwerfen, umherzudrehen, zu fangen, ‚Engelchen flieg’ zu spielen und was man sonst noch so alles anstellen kann. Wir hatten großen Spaß zusammen – ohne ein Wort zu reden. Die ganze Zeit über achtete Siri sorgfältig darauf, nur Quietschtöne und kein Wort von sich zu geben. Ich nehme an, um uns nicht zu verwirren. Manchmal biss sie sich sogar auf die Lippen, um nicht plötzlich loszureden. Isi und ich spielten das Schweigespiel erst mit, unterhielten uns dann aber immer wieder auf Deutsch. Über diese seltsamen, aber doch flüssigen Redelaute von uns, war Siri sichtlich erstaunt. Sie hatte wohl angenommen, wir sein stumm. So gerne wollte ich solche Redelaute auch mit ihr austauschen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-565" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/11_SiriIII-808x1077.jpg" alt="11_SiriIII" width="808" height="1077" /></p>
<h3></h3>
<p>In Siris Zimmer entdeckten wir ein Malbuch von ihr. Das war allein schon interessant, weil man es von hinten nach vorne und von links nach rechts blätterte. Aber auch, weil es voll von Siris Malereien war. Voller Stolz zeigte sie mir ihre Kunstwerke. Auf der sichersten Terasse der Welt setzte sie sich auf meinen Schoß, führte mich bedächtig durch die bunten Seiten und zeigte mir jedes einzelne Werk. Einige davon hätte ich sonst auch gar nicht als Werk identifiziert. Dabei entdeckten wir, dass wir gemeinsam Vokabeln üben konnten. Hatte sie eine Blume gezeichnet, lernten wir beide ‚fleur’ und da waren auch poissons, étoiles, dinosaures, élephantes, natürlich arc-en-ciels und sogar parapluies, obwohl man die in Marokko wirklich nicht braucht. Anscheinend weil sie noch nie einen benutzt hatte, regnete es sogar auch unter Siris parapluies. So saßen Siri und ich lange auf der Terasse und arbeiteten uns durch das gesamte Buch. Zu einzelnen Vokabeln kamen Artikel dazu, irgendwann auch mal ein Verb und später wurden ganze Sätze draus. Siri und ich brachten uns peu à peu gegenseitig Französisch bei. Am Ende des Buches konnten wir sogar über Dinge reden, die gar nicht in ihrem Buch gemalt waren. Was wildes Gekritzel auf französisch heißt, weiß ich allerdings bis heute nicht.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-566" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/12_SIri_ich_close-808x606.jpg" alt="12_SIri_ich_close" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Nach einem halben Tag schweigender, wilder Gestiken, hatte ich mit diesem kleinen Mädchen gemeinsam die Sprache neu entdeckt. Es reichte zwar noch nicht, um uns zu sagen, wie sehr wir uns darüber freuten nun miteinander reden zu können, aber dafür redeten wir über alles, wozu uns Vokabeln einfielen. Einfach um zu reden. Soleil, nuage, frère Mohammed, faim. Faim hatten wir großen. Also nahmen Isi und ich Siri mit zum Essen um die Ecke, außerhalb der Burgmauern aus Vaterfürsorge. Bis dahin reichte das Französisch sogar schon so weit, um Siri zu sagen, dass sie keine Cola, aber einen Orangensaft bekommt. Das war der Moment, in dem Siri und ich beide merkten, dass die nonverbale Kommunikation mehr Zauber hatte. Nach der Cola konnten wir ihr aber nicht auch noch einen zweiten Saft ausschlagen. Nicht bei diesem Blick. Der O-Saft gefiel ihr so gut, dass sie direkt zwei Gläser exte. Das wiederum gefiel ihrem Magen nicht so gut, sodass sie sich mitten auf dem Dorfplatz orangefarben übergab. Wobei sie alle Leute anschauten und sie nur beschämt zurücksah. Wir liefen zu ihr, nahmen sie in den Arm, trugen sie zum nächsten Wassercontainer, wuschen sie dort ab, beruhigten sie und fühlten uns wahnsinnig schlecht. Einmal Verantwortung für so einen kleinen Menschen bekommen und schon versagt. Allerdings war sie gleich wieder munter und niemand war böse.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-567" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/13_SIriI-808x606.jpg" alt="13_SIriI" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Nach dem Essen holte sich Siri ihren Kamm und eröffnete zurück auf der Terasse ein Frisörstudio. Sie kämmte mich stundenlang, versuchte immer wieder Frisuren aus, die alle gleich aussahen und hatte einen Mordsspaß dabei. ‚Jolie, jolie’, ‚cheveux longue’ und ‚attend, attend!’ waren hierbei ihre Lieblingskommentare. Als ich zwischendurch irgendein Siri-Gebrabbel mit Oui beantwortet hatte, stand sie kurz danach freudestrahlend mit einer Schere vor mir. Ciseaux hatte ich wohl überhöhrt. Wir blieben doch lieber beim coiffer. Und beim rouge à lèvre. Siri entdeckte meinen Berberfrauenlippenstift, der grün ist, aber mit Lippenkontakt die natürliche Lippenfarbe verstärkt. Das fand sie so famos, dass sie es schaffte, die unnatürliche Lippenfarbe zu verstärken. Als die Haare durchfrisiert, die Lippen maximal pink und ihr Buch vollgemalt waren, bemalte sie eben unsere Arme. Voller Sorgfalt, Liebe und Stolz hatte Siri bald alle vier Arme von Isi und mir vollgekritzelt. Sogar zwei Tage lang konnten meine Tattookunstwerke dem Wasser trotzen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-568" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/12/14_Siri_Lippenstift-808x606.jpg" alt="14_Siri_Lippenstift" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Am Abend gab es noch einige bonne nuit bisous und wir brachten Siri ins Bett pour coucher. Zurück auf der Abendterasse vermisste ich sie direkt. Nur selten zuvor hatte ich jemanden an nur einem Tag so intensiv kennengelernt. Und noch nie hatte jemand an nur einem Tag den Französischschalter in mir wieder aktiviert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir blieben vier Tage bei Siri und ihrer Familie. Auch später während unseres Marokkotrips kehrten wir noch zweimal an diesen Ort zurück. Siri und ich waren jedesmal wie unzertrennliche Seelen, verbrachten einfach die Tage zusammen, lernten neue Vokabeln, entdeckten kleine Tierchen, eine große wilde Schildkröte und giftige Pflanzen im Garten. Ihr Vater Abdellabrahim sagte „Siri doesn’t know nothing. She doesn’t know things about people. But she likes you. So you are good people.“ Und ich mag Siri. Für diese Erkentnis, für das Französisch, das sie mir zurückbrachte und weil sie der ehrlichste und inspirierendste Mensch war, dem ich in ganz Marokko begegnete. Denn manchmal sagt nichts sagen, so viel mehr als viel sagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p>Was sind eure Erfahrungen mit Kommunikation auf Reisen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Hütte zum Sein</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2014 03:53:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Eine einfache Holzhütte am Strand war so viel mehr als eine einfache Hütte. Sie wurde unser bester Freund.</p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich am Meer! Das Wasser war so nah, dass wir es quasi riechen konnten. Meine Freundin Isi und ich kamen gerade aus Marrakesh. Dem lauten, wuseligen, aufgeheizten Marrakesh. Das war toll, aber jetzt waren wir in einem kleinen Küstendorf. Dem ruhigen, verlassenen, aus einem Strand bestehenden Küstendorf. Und das sollte noch besser sein. Unsere Idee: Hier wollten wir surfen und sein. Mehr hatten wir hier gar nicht vor.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-358" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/1_Beach_View-808x658.jpg" alt="1_Beach_View" width="808" height="658" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-359" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/1.2_Beach_Boats-808x577.jpg" alt="1.2_Beach_Boats" width="808" height="577" /></p>
<h3></h3>
<p>Allerdings sah es an diesem Ankommabend so aus, als könnte man noch nicht einmal das: Tiefer, dichter Nebel lag in der Luft. Es war kein Meer, kein Strand, kein Mensch und kein Ort zum Sein zu sehen. Wir saßen im Taxi, das uns zur Unterkunft bringen sollte. Das Taxi kannte den Weg, wir nicht. Wir hofften nur, dass es hier nicht anhalten würde. Doch genau dann fuhr es auch noch einen kleinen Berg hinauf. Den Berg hinauf liegt das Meer meistens nicht. Wir hatten eher gehofft, den Berg hinab zu fahren. In einer Mini-Wohnsiedlung auf dem Hügel spuckte es uns aus und fuhr ohne uns wieder bergab.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-360" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/2_village_smog-808x606.jpg" alt="2_village_smog" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Fünf Minuten später saßen wir da – auf dem Dach unserer Surfunterkunft, die keine Surfunterkunft war. Vielmehr eine hübsche, heimelige marokkanische Villa. Die Villadame hatte uns zwar kurz begrüßt, aber war gleich wieder in ihre Gemächer geschwebt. Sonst gab es hier anscheinend niemanden. Die Dachterasse sah aus, als sei sie am Tage eine mit fantastischem Blick auf das kleine Tal bis ans Meer. Doch auch hier baute sich direkt davor eine Wand aus dickem Nebel auf. Wir kramten noch unsere letzten Essensreste und unsere dicken Pullis aus den Rucksäcken und fanden, dass dieses traurige Resteessen wunderbar in die verhangene, kalte, einsame Atmosphäre dieses Ortes passte.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-361" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/3_Dachterasse_smog-808x606.jpg" alt="3_Dachterasse_smog" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-362" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/4_Sad_Diner-808x793.jpg" alt="4_Sad_Diner" width="808" height="793" /></p>
<p>Am nächsten Morgen saß unser Surflehrer Zak pünktlich um neun Uhr am Frühstückstisch. Wir nicht. Denn wir hatten unsere Uhren noch auf falscher Zeit. Auch der Nebel war pünktlich. Doch jetzt wurde er von der Sonne in warmes Licht gehüllt. Wir lernten über den Nebel, dass er da ist, wenn es im Inland besonders warm ist. Dann drückt die warme Inlandsluft gegen die kalte Atlantikluft und dieser Nebel entsteht. Na gut, wenn man weiß, wo es herkommt, mag man es meist auch schon ein bisschen lieber.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-363" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/5_Rock-View-808x606.jpg" alt="5_Rock View" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Schon ab dem ersten Wasserkontakt zählten eh nur noch die Wellen und der Nebel war vergessen. Wir hatten einen fröhlichen, wellenreichen Surftag, an dem wir Lounes kennenlernten. Lounes und seine Hütte. Denn das eine gibt es nicht ohne das andere und vice versa. Lounes ist ein passionierter, marokkanischer Surfer, dessen Leben vom Strand bestimmt wird. Lounes’ Hütte ist eine einfache, selbstgebaute Holzhütte, dessen Leben auch vom Strand bestimmt wird. Denn genau dort steht sie. Auf einem erhöhten Vorsprung gleich über dem Meer.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-364" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/6_Panorama2-808x234.jpg" alt="6_Panorama2" width="808" height="234" /></p>
<h3></h3>
<p>In ihr befinden sich so viele Surfbretter, dass sie wahrscheinlich zusammenfallen würde, würde man diese entfernen. Breiter als ein Surfbrett ist sie auch nicht, fast ihr ganzer Innenraum ist davon eingenommen. Nur eine kleine Seite ist abgetrennt, in der Lounes wohnt. Dort ist ein Bett und eine kleine Küchenzeile eingebaut. Die dient als Ablage für Geschirr, Boardleashes und Kleidung. Kleine selbstgebaute Regale darüber verstauen alles, was man für die marokkanische Küche braucht: Kümmel, eine Tajine und ein stumpfes Messer. Gleich über dem Bett ist ein Fenster, nur mit bunten Tüchern abgehangen. Von dort aus checkt Lounes jeden Morgen die Wellen und entscheidet, ob es sich lohnt aufzustehen. Strom und Wasser gibt es nicht, braucht man aber auch nicht. Wasser ist in Meermenge vor der Tür und Feuer ist eh der bessere Strom.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-365" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/8_Hütte_Boards-808x623.jpg" alt="8_Hütte_Boards" width="808" height="623" /></p>
<h3></h3>
<p>Die komplette Hüttenfront zum Meer öffnet Lounes jeden Morgen, nachdem die Wellen ihm zum Aufstehen bewegt haben. Als würde auch dann erst die Hütte aufwachen und ihr großes Auge öffnen. Dann weiß jeder, jetzt ist man willkommen. Davor ist eine kleine Terrasse mit einem kleinen selbstgebauten Geländer. Die Terrasse hat den perfekten Winkel, sodass man ganz viel Meer, ein bisschen Strand und gar keine Straße, Autos oder Häuser sieht. Deswegen fungiert sie auch als Magnet aller lokalen Surfer. Jeder von ihnen, der zum oder vom Strand kommt, kommt erst einmal hier vorbei – und bleibt auch meistens hier hängen. Genau wie wir.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-366" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/9_Hütte_visitor-808x512.jpg" alt="9_Hütte_visitor" width="808" height="512" /></p>
<h3></h3>
<p>Nach unserer Surfsession hingen wir uns mit auf die Terrasse und gehörten schon gleich genau so dazu, wie die streunenden Katzen, die ständig vorbeikamen. Oder auch hier wohnten, das wusste keiner genau. In einem Trog entdeckten wir eine Treibholzsammlung, die Lounes immer mal wieder nach stürmischen Meerzeiten am Strand aufsammelt und sich daraus Hüttendeko bastelt. Mithilfe des stumpfen Küchenmessers und etwas Kaugummi schnitzten und klebten wir ein Segelboot, ein Seeungeheuer, ein Auto mit Surfboardtragefläche und einen Wendefrosch, der auf dem Kopf ein Huhn war. Stundenlang saßen und schnitzten wir seelenruhig an dem Treibholz.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-367" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/10_Treibholz_AutoMonster-808x566.jpg" alt="10_Treibholz_Auto&amp;Monster" width="808" height="566" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-368" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/11_Treibholz_Masken-808x529.jpg" alt="11_Treibholz_Masken" width="808" height="529" /></p>
<h3></h3>
<p>Nebenbei kam immer wieder ein anderer Surferfreund vorbei, setzte sich dazu, lieh sich ein Board aus oder machte was immer er wollte. Denn in diesem Hütten-Mikrokosmos konnte jeder einfach tun, was er tun will. Ab und an ging jemand zum benachbarten Fischrestaurant und holte Tee. Tee ist wichtig in Marokko, denn der wird vor dem Essen, nach dem Essen und immer zwischendurch getrunken. Dabei ist wichtig, dass er vor Zucker knirscht und dass er richtig gemischt ist – und das ist er nur, wenn er von weit oben mit viel Gefühl ins Glas gegossen wird.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-369" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/12_Terrace_View2-808x606.jpg" alt="12_Terrace_View2" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Irgendwann kam ein Freund und brachte frische Sardinen mit. Die wurden, wie sie waren, auf’s offene Feuer gelegt und anschließend von allen, die gerade da waren, gemeinsam gegessen. Einfach mit den Fingern vom Tisch. Danach wurden Finger und Tisch zum Meer gebracht und dort gewaschen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-370" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/13_Sardinen-808x606.jpg" alt="13_Sardinen" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Ein anderer Freund ging zwischendurch nach Seeschnecken tauchen. Gleich an dem Fels auf dem die Hütte steht, gibt es im Wasser besonders viele Schnecken. Als er wiederkam, holte er aus jeder Öffnung seines Wetsuites frische Schnecken. Alle freuten sich schon, diese am Abend auf’s Feuer zu schmeißen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-371" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/14_Sea_Snakes-808x681.jpg" alt="14_Sea_Snakes" width="808" height="681" /></p>
<h3></h3>
<p>Von da an gingen wir jeden Tag hier surfen. Ab dem ersten Tage war unser bester Freund die Hütte. Sie hieß uns jeden Morgen offenen Herzens willkommen, nachdem sie ihr Luckenauge geöffnet hatte. In ihr verbrachten wir unsere gesamte Surfwoche, die wir in diesem Küstendorf verbringen wollten. Gingen surfen, bastelten aus Treibholz, sangen marokkanische Lieder, gingen nochmal surfen, grillten Fisch, schnippelten marokkanischen Salat, mixten und tranken Tee und machten das Fischrestaurant sauer, weil wir nie die richtigen Teegläser zurückbrachten.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-373" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/15_Terrace_View-808x606.jpg" alt="15_Terrace_View" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Schon am ersten Abend waren wir so angekommen, wie wir nur ankommen konnten. Wir lagen abends im Villabett und fragten uns, ob das wirklich nur ein einziger Tag war. Und wo der Nebel eigentlich sei. Wir stellten fest, alles, was wir an diesem Tag gemacht hatten, war: Surfen und Sein.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-374" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/16_Treibholz_car3-808x355.jpg" alt="16_Treibholz_car3" width="808" height="355" /></p>
<h3></h3>
<p>Mitte der Woche diskutierten wir mit Lounes, ob wir nicht mit einziehen sollten. Halb Scherz, halb Ernst. Wir waren so überwältigt und überzeugt von dem Hüttenleben, dass wir es abends nicht verlassen wollten. Tagein tagaus nach der Welle leben und in jeder Sekunde einfach tun, wonach uns die Nase steht. Uns vom Meer, den einfachsten Mitteln und den Nachbarn ernähren. Den Rest der Woche lebten wir, als sei dies tatsächlich alleiniger Inhalt unseres Lebens. Und stellten fest: Das ist wunderbar. Aber das ist zu leer. Für eine bestimmte Zeit in diesen Mono-Mikrokosmos einzuziehen, war wunderbar. Das Gefühl, den eigenen Kosmos nicht irgendwann wieder mit mehr Vielfalt zu füllen, war lähmend. Als die Hütte am letzten Tag ihr Auge für uns öffnete und uns einlud noch länger zu bleiben, verabschiedeten wir uns unter großer Trauer dennoch. Und vermissten die Hütte sofort. Bis heute.</p>
<h3></h3>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-375" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/11/17_Terrace_View_wetsuite-808x606.jpg" alt="17_Terrace_View_wetsuite" width="808" height="606" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>Habt ihr auch schon einmal mit solch schwerem Herzen einen Ort verlassen?</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Himmelsdiktat</title>
		<link>http://stories-i-tell.com/marokko-atlas-astronomie-berge/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2014 17:41:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Globale Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Berge]]></category>
		<category><![CDATA[Himmel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Auf diesem Berg im marokkanischen Atlas Gebirge kippt nachts die Atmosphäre und offenbart einem den Himmel. Und alle gucken nur noch nach oben. </p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Berg, den wir gerade hoch fuhren, schien bis zum Mond zu gehen. Es wurde immer dunkler, immer kälter und immer höher. Der Berg steht mitten im marokkanischen Atlas Gebirge zwischen Marrakesh und Agadir und wir waren auf dem Weg zu seinem Gipfel. Ein schöner Berg war das – groß, mächtig, schöne mystische Vertiefungen hier und da, überall Wildschweinspuren und grüne Pflanzen. Yaniz fuhr uns sicher durch seine Serpentinen. Yaniz ist eigentlich ein Surffotograf, der gerade mit Derek Hynd, einem professionellen Surfer, einen Surffilm dreht. Beide lernten meine Freundin Isi und ich auf Marokkos Straßen kennen und reisten seitdem mit ihnen weiter.</p>
<h3>  <img class="alignnone size-medium wp-image-228" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/1_View_MountainsII-808x606.jpg" alt="1_View_MountainsII" width="808" height="606" /></h3>
<h3></h3>
<p>Beide sind eine beeindruckende Begegnung. Yaniz, der überorganisierte Netzwerker, kennt alles und jeden in Marokko. Insbesondere die einflussreichen Menschen, mit denen er ständig Schulterschluss betreibt. Und die monotalentierten Menschen, mit denen er unzählige Projekte hat. Und die anpackenden Alleskönnermenschen aus den Bergdörfern, denen er immer wieder Aufträge erteilt. Wenn wir Auto fahren, natürlich fährt er, telefoniert er die ganze Zeit und organisiert Menschen, Dinge, Projekte. Auch Isi und ich fühlen uns wie ein Projekt von ihm. Ein Projekt, das ständig gut umsorgt, von A nach B gebracht und beeindruckt werden muss. Denkt er. Er sagt, nichts ist unmöglich, man muss es nur aussprechen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-229" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/2_Breakfast-808x594.jpg" alt="2_Breakfast" width="808" height="594" /></p>
<h3></h3>
<p>Derek ist eher das Gegenteil. Eine ruhige Surferseele, der jeden Moment genießt und versucht das Leben spirituell zu erfassen. Seine Uhr sind die Wellen. Derek stellt große Lebensfragen und umarmt nur Herz an Herz. Als er vor vielen Jahren bei einer Surfcompetition durch eine Finne sein linkes Augenlicht verlor, erfand er das Surfen ohne Finne. Seitdem tanzt er wunderschön auf den Wellen und hat viele Anhänger, die ihn als Inspirationsguru sehen. Er sagt, Surfen ist der konservativste Sport der Welt, denn niemand hat jemals etwas geändert.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-230" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/3_Bed_feet-808x606.jpg" alt="3_Bed_feet" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Es gab noch einen Dritten im Bunde: David, ein Freund von Yaniz, der zwischendurch zu unserer kleinen Reisefamilie gestoßen ist. David ist groß, breit und unglaublich viel Mann. Ein Amerikaner, der drei Jahre in Tokio lebte, es daher gewohnt ist, der Große zu sein und dort mehrmals Weltmeister im Sumoringen war. Überall und ständig macht er daher Dehnungsübungen oder Tai Chi. Als Bob Marley auf Tournee in Tokio war, war es David, der ihm Gras verkaufte und es mit ihm rauchte. Dadurch fühlt er sich ihm heute noch immer nah. Er sagt, es gab nie wieder einen echten Reggaemusiker wie Bob.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-231" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/4_Family_Car-808x606.jpg" alt="4_Family_Car" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Alles in allem reisten wir unheimlich gerne mit diesen drei ausgeprägten und ausgeprägt unterschiedlichen Persönlichkeiten quer durch Marokko. Nun waren wir auf dem Weg zu einem von Yaniz’ Projekten. Auf diesem einen Berg zwischen Marrakesh und Agadir hatte er eine besondere Atmosphäre entdeckt, die nachts so kippt, dass eine außerordentliche Klarheit auf dem Gipfel entsteht, die alle Astronomen mit den Ohren schlackern lässt.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-232" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/5_Panorama_Telescope-808x178.jpg" alt="5_Panorama_Telescope" width="808" height="178" /></p>
<h3></h3>
<p>Gemeinsam mit einem Astronomieprofessor führt er dort Messungen durch und hat die wilde Idee, auf dem Gipfel ein Hotel für astronomieinteressierte Touristen zu bauen. Vom Laien, der einfach mal die Milchstraße von Nahem sehen will bis zum Experten, der dort seiner Forschung nachgehen kann. Noch steht aber nichts, bis auf den Astronomieprofessor und sein Teleskop. Doch da mussten wir erst einmal hinkommen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-233" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/6_Sabyll_view-808x534.jpg" alt="6_Sabyll_view" width="808" height="534" /></p>
<h3></h3>
<p>Mit unserem kleinen Familienauto kamen wir nur bis zu einer Zwischenstation kurz vor dem Gipfel. Dort zogen wir alle erst einmal alle Kleidung an, die wir im Dunkeln finden konnten. Denn am Bergfuß war noch leuchtender Sommer. Hier oben schien es, als gäbe es eine fünfte Jahreszeit. Irgendeine zwischen kalter Sommernacht und hoffnungsvollem Winter. In diesem Sommerwinter war es definitiv windig und kalt. Unsere vortägige Bazarbeute kam hier allen gut zu Nutze: Eine Meute an marokkanischen Mützen, die wir auf den Köpfen unserer Begleiter verteilten.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-234" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/7_View_MountainsIII-808x606.jpg" alt="7_View_MountainsIII" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Ab hier war unser Familienauto nicht mehr zu gebrauchen. Wir ließen es stehen und beluden die Ladeflächen zweier Trucks mit einem Haufen an Matratzen und Decken für die kalten Gipfelnächte und setzten uns noch oben drauf. Die Trucks gehörten zu Aisa und Mohammed, zwei Berber aus den Bergdörfern. Oder vielmehr die einzigen zwei Berber, die in der Lage waren, uns den Berggipfel hinauf zu fahren. Denn die Straße war gar keine Straße, sondern einfach nur die Seite des Berges, welche die beiden mit ihren Trucks wie Bergziegen erklommen. Ihr Leben lang schon verbringen sie in diesen Bergen. Dabei hat sich ihre Erdanziehungskraft stärker ausgeprägt als die von anderen Menschen. Anders konnte ich mir nicht erklären, wie sie uns dort hinauf bringen konnten. Selbst wenn eine Erbse unter dem Matratzenhaufen gelegen hätte, wir hätten sie nicht gespürt. Die Herausforderung lag darin, nicht von der Ladefläche und direkt tausende Meter hinab zu stürzen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-246" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/8_Berber-808x738.jpg" alt="8_Berber" width="808" height="738" /></p>
<h3></h3>
<p>Neben ihrer übernatürlichen Gravitation, erscheint auch das gesamte Leben der Berber wie in einem Paralleluniversum. Ohne Anschluss an die Zivilisation leben sie in ihren kleinen Dorfkommunen. Die Dörfer scheinen wahllos in unbebaubare Bergschluchten hineingebaut, alles Leben dreht sich um einen Brunnen und wer das frische Gras für die Esel den Berg hinauf trägt. Von morgens bis abends wuseln und arbeiten sie, scheuchen ihre Esel oder ihre Kinder umher. Die größte Beleidigung für einen Berber lautet ‚Dein Vater ist in seinem Bett gestorben!’ Denn ein würdevoller Berber ist nie in seinem Bett, sondern bis zuletzt bei der Arbeit in den Bergen. Sie leben nicht nur woanders, sie leben auch wann anders. Wenn man sie fragt, welches Jahr gerade ist, antworten sie 2964. Wir fuhren also nicht nur gen Gipfel, sondern auch gen Zukunft.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-245" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/8_Berber_Donkey-808x525.jpg" alt="8_Berber_Donkey" width="808" height="525" /></p>
<h3></h3>
<h3><img class="alignnone size-medium wp-image-235" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/9_People_Breakfast-808x492.jpg" alt="9_People_Breakfast" width="808" height="492" /></h3>
<h3></h3>
<p>Der Gipfel war unheimlich klein. Obwohl der Berg unheimlich groß war. Wie ein Riese mit einem Minikopf. Seine riesige Bergkörpermasse mündete an seinem Kopf in einem Plateau von wenigen Metern Durchmesser. Zu nah an den Abgrund wollte man auch nicht treten, was den Gipfelkopf noch kleiner machte. Trotz der Höhe und Gewalt des Bergriesen, war man hier auf minimalstem Platz gefangen. Und kahl war sein Haupt auch noch: Keine Tiere, kaum Vegetation, wenig Sauerstoff. Aber eine Sache war da: Der Astronomieprofesor und sein großes Teleskop. Ein absurder Anblick, als seien beide dort aus einer anderen Zeit hingebeamt worden. Was ich dieser Zukunft hier zugetraut hätte.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-236" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/10_Telescope_Close-808x606.jpg" alt="10_Telescope_Close" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Sabyll, der Astronomieprofessor, hatte sich eine kleine Steinhöhle gebaut, in der er schlief. Eine Steinhöhle, wie man sie eher in der Steinzeitvergangenheit als in der Bergzukunft erwartet hätte. An der Seite war ein Abzugsloch, das den Rauch des lodernden Höhlenlagerfeuers hinaus transportierte. Sabyll hatte dafür genau die richtige Zirkulation berechnet. So einfach und so gut und so warm. Dennoch zu klein für alle von uns. Wir bauten unser Matratzenlager draußen unter freiem Himmel auf und gesellten uns alle um das Teleskop.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-237" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/11_Cave-808x520.jpg" alt="11_Cave" width="808" height="520" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-238" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/12_Fire_Moha-808x606.jpg" alt="12_Fire_Moha" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Das Panorama war unglaublich. Die Wolken waren unter den Gipfel gesunken, sodass sie aussahen wie das Meer. Die anderen Berggipfel um uns herum schienen wie kleine, einsame Inseln im Wolkenmeer. Als könnte man springen und schwimmen. Die Sterne waren greifbar nah und spendeten so viel Licht, wie der Mond es im Tal noch nie getan hatte. Der Mond war noch nicht aufgegangen und der Himmel von einer Klarheit, wie ich es ihm nie zugetraut hätte. Sabyll stellte für uns das Teleskop ein. Auf einer kleinen Fernbedienung mit vielen Tasten, konnten wir statt Pro7 einfach Pluto auswählen. Den steuerte das Teleskop dann an und wir sahen sie alle: Den Saturn mit seinem Ring, explodierte Sterne, implodierte Sterne, kleine Galaxien und später auch den Mond. Allerdings mit einer dicken Bazarwollmütze vor dem Teleskopobjektiv, da er sonst so viel Licht abgegeben hätte, dass der Durchblickende erblindet wär.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-239" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/13_View_Mountains-808x606.jpg" alt="13_View_Mountains" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Schon nach der ersten Nacht fühlten wir uns wie eine Woche dort oben. Der Gipfel war so klein, dass wir jeden vertrockneten Strauch auf ihm kannten. Die Menschen waren so nah, dass wir ihren Geruch, ihr Schnarchen und ihre Ticks kannten. Doch der Himmel war so mystisch, dass er jede Minute anders aussah.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-240" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/14_D_Sleepy-808x439.jpg" alt="14_D_Sleepy" width="808" height="439" /></p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-241" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/14_Isi_Lena-808x606.jpg" alt="14_Isi_Lena" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Ganze zwei Tage und zwei Nächte blieben wir dort oben. Alles, was wir taten, war mit dem Himmel zu leben. Wurde es dunkel, schauten wir Sterne durch’s Teleskop an. Wurde es hell, standen wir mit der Sonne auf. Wurde es windig, versteckten wir uns im Matratzenlager. Wurde es durch die Sonne heiß, versteckten wir uns auch im Matratzenlager. Die Natur hatte hier das absolute Diktat. Nachts hörten wir immer Sabylls Jubelrufe „+0,0372!“ Er brach ständig Weltrekorde im Genauigkeitsmessen von Sternen.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-242" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/10/15_Isi_view-808x539.jpg" alt="15_Isi_view" width="808" height="539" /></p>
<h3></h3>
<p>Je länger wir hier waren, umso weniger nahmen wir den schnell endlichen Minigipfel war. Denn über uns war der niemals endliche Weltraum. Alle Augen schauten die ganze Zeit nach oben. Wenn man so weit oben ist und der Blick noch weiter hinauf gerichtet ist, vergisst man das Unten. Nichts war mehr wichtig, außer wir und der Himmel. Unsere Verpflegung würde ein Ende haben, doch der Himmel würde jeden Abend wieder sternhell werden. Bis in unser 2964.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Auf der Mauer, auf der Lauer</title>
		<link>http://stories-i-tell.com/gedicht-ueber-freunde-in-marokko/</link>
		<comments>http://stories-i-tell.com/gedicht-ueber-freunde-in-marokko/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2014 14:53:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Dorf]]></category>
		<category><![CDATA[Freunde]]></category>
		<category><![CDATA[Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Surfing]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wie ein marokkanischer Mauerpoet unseren ersten Streit nach 24 Jahren Freundschaft löste.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="http://stories-i-tell.com/gedicht-ueber-freunde-in-marokko/">Auf der Mauer, auf der Lauer</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="http://stories-i-tell.com"></a>.</p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich ich sagte, meinte ich eigentlich wir. Zumindest bei meinen letzten Geschichten aus Marokko. Wir, das sind Isi und ich. Wir, das sind Freunde aus dem Kindergarten. Mittlerweile nur ein bisschen größer. Wir hatten uns als Kinder zwischendurch einmal verloren und Jahre später wiedergefunden. Da freundeten wir uns ein zweites Mal mit Highspeed an &#8211; ohne zu wissen, dass wir uns schon kannten. Seitdem wissen wir, das würde immer wieder funktionieren. Manchmal gibt es Zeiten, in denen wir lange nicht gesprochen haben, dann rufen wir uns an und trinken beide gerade Fencheltee. Obwohl wir sonst gar nicht gerne Fencheltee trinken. Niemand trinkt gerne Fencheltee. Wir haben so ein Zweieruniversum, das ständig in Balance ist. Bei uns ist eins plus eins nicht zwei, sondern zwei Millionen. Wir sind eine Symbiose aus Harmonie und Hakelei. Isi weiß immer die einfachste Antwort auf meine kniffligsten Sinnfragen. Stellt aber auch immer genau die eine Frage, die ich hoffte, dass sie niemand stellt. Und so war es auch bei unserer gemeinsamen Reise durch Marokko.</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-208" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/1_Strand_vorlesen.jpg" alt="1_Strand_vorlesen" width="800" height="435" /></h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>Derek Hynd, surfender Spiritueller und spiritueller Surfer, den wir auf unserer Reise kennengelernt hatten, sagte eines Tages &#8220;I couldn’t ever marry one of you. Because you come in a package.&#8221; Nicht nur, dass wir uns als Einheit fühlten, jeder nahm uns auch als Einheit war. Zum Essen bei Freunden bekamen wir regelmäßig zusammen immer nur ein Glas. Uns wurde immer ein Eine-Person-Schlafplatz gegeben. Wir hatten eine Tasche für uns beide, ein Shampoo und teilten fast immer unser Essen. Und wir hatten einen Namen: Les filles. Wer Isi und wer Lena war, wusste selten jemand. Einmal auch wir selbst nicht, als wir uns versehentlich beim Kennenlernen mit dem Namen der anderen vorstellten.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone  wp-image-210" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/3_Isi_allein_Mauer.jpg" alt="3_Isi_allein_Mauer" width="812" height="548" /></p>
<h3></h3>
<p>Noch nie hatten wir uns gestritten. Trotz Pubertät und Erwachsenwerden, Pickel- und Schulproblemen, ersten Alkohol- und Jungserfahrungen, unzähligen geplanten und ungeplanten Reisen. Bis zu diesem einen Moment auf dieser Reise. Wir hockten in einem Haus mitten im marokkanischen Inland fest, wo wir eigentlich gar nicht hocken wollten. Denn wir wollten nicht in einem Haus sein und nicht im Inland. Wir wollten draußen sein und am Meer. Weil wir immer draußen ans Meer wollen. Ein Reisefreund von uns organisierte uns eine Fahrt, wollte aber viel lieber, dass wir noch blieben. Was ja eigentlich reizend ist, aber er ging zu weit. Ich hörte, wie er dem Fahrer sagte, erst später zu kommen. Er log mich an. Das Auto würde länger brauchen. Ich war sauer. Nicht weil das Auto in Wahrheit gar nicht länger brauchen würde. Weil er mir ins Gesicht log. Ich erzählte es Isi. Sie spielte es runter. Sie nahm ihn in Schutz. Sie wurde ja auch nicht angelogen. Das machte mich noch saurer. Ich knallte die Tür. Ich bin Steinbock.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone  wp-image-209" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/2_Bus_shiny.jpg" alt="2_Bus_shiny" width="822" height="617" /></p>
<h3></h3>
<p>Kurz vor Abfahrt konfrontierte ich unseren Lügemann noch mit seiner Lüge, aber er stritt es ab und ich war zu sauer und zu meereshungrig für eine Diskussion. Isi und ich stiegen ein und düsten los. Aber die Stimmung war eine andere. Das kannten wir nicht, dass bei uns die Türen knallen. Ich mag streiten, Isi auch, wir hatten es nur noch nicht zusammen versucht. Wie wir immer über alles redeten, redeten wir auch darüber, klärten und verstanden uns. Trotzdem war die Stimmung noch getrübt.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone  wp-image-211" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/4_Tagazhout_view.jpg" alt="4_Tagazhout_view" width="839" height="629" /></p>
<h3></h3>
<p>Als wir am Meer in Taghazout ankamen, quetschen wir uns mit unseren schweren Rucksäcken erst einmal durch die engen Gassen. Schön sind die. Alte Steingassen zwischen alten Steinhäusern, die alle leicht bergab gehen und zum Strand führen. Auch wenn man sich verläuft, kommt man immer hinaus, wo man hin will: Am Meer. Überall lokale Händler, die ihre bunten Waren verkaufen. Stoffe, Tonarbeiten und hübscher Klimbim, mit dem man, zurück von der Reise, nichts mehr anzufangen weiß. Wir konnten widerstehen, unterhielten uns aber hier und da mal mit Händlern, die ihre spärlichen Deutschkenntnisse an uns ausprobieren wollten. Die Gespräche hielten nie lange, also gingen wir in unsere Lieblingsstrandbar: Aftas. Direkt unten an der kleinen Mauer zum Strand saßen wir unter einem Bambusschirm, aßen den besten Avocadoburger Taghazouts und tranken frischgepresste Fruchtsäfte aus riesigen Gläsern. Also eigentlich alles wunderbar. Nur die Vibes waren noch in leichter Schieflage.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-215" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/Tagazhout_Lena_Jellabah-808x1077.jpg" alt="Tagazhout_Lena_Jellabah" width="808" height="1077" /></p>
<h3></h3>
<p>Neben uns auf der Mauer saß ein junger Marokkaner. Er saß auf der Mauer, als würde er schon lange dort sitzen. In einer gemütlichen, verharrenden Pose, sein Rucksack neben sich und intensiv mit einem Bleistift und einem Block beschäftigt. Ab und an schielte er zu uns rüber, widmete sich aber immer gleich wieder seinem Geschreibsel. Wie boten ihm zwischendurch eine Zigarette an, die er dankend nahm und weiter seinen Block bearbeitete.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-212" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/5_Tagazhout_Strand-808x606.jpg" alt="5_Tagazhout_Strand" width="808" height="606" /></p>
<h3></h3>
<p>Irgendwann kam er zu uns an den Tisch und sagte &#8220;I saw you when you came and I got inspired to write down this poem. It&#8217;s from my favorite poet Cummings and it&#8217;s about friendship.&#8221; Mehr wollte er gar nicht. Er drückte uns seinen Zettel in die Hand und ging wieder zurück auf seine Mauer. Wir lasen das Gedicht, was gar nicht so leicht zu entziffern war. Auf Mauern mit Bleistiften lässt sich nicht so gut schreiben.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-214" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/7_Poem-808x621.jpg" alt="7_Poem" width="808" height="621" /></p>
<h3></h3>
<p><em>I carry your heart with me,<br />
I carry it in my heart.<br />
I am never without it,<br />
Anywhere I go you go, my dear.<br />
And whatever I do alone by only me<br />
Is you doing my darling.<br />
I fear not fate<br />
For you are my fate, my sweet<br />
I want the world<br />
For beautiful you are, my world, my fate<br />
And it’s you are whatever a moon has<br />
Always meant.<br />
And whatever a sun will always sing is you<br />
Here is the deepest secret nobody knows<br />
Here is the root of the root and the bud of the bud<br />
And the sky of a tree called life<br />
Which grows higher than the soul can hope<br />
Or mind can hide<br />
And this is the wonder that’s keeping the stars apart.</em></p>
<p><em> I carry your heart.<br />
I carry it in my heart.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Gedicht selbst haute uns nicht um, aber das Symbol. Und das Timing. Überwältigt von dem Gespür des jungen Mauerpoeten, schenkten wir ihm alles, was wir zu verschenken hatten – eine halbvolle Schachtel Zigaretten. Isi und ich teilten wieder unsere Burger, unser Glas, nannten uns les filles. Keinen besseren Moment in all unseren 24 Freundschaftsjahren zuvor hätte es gegeben, uns ein solches Freundschaftsgedicht zu schenken. Ein bisschen munkel ich aber immernoch heimlich, dass Isi ihn engagiert hat. Doch sie munkelt dasselbe über mich.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-213" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/6_ISI_LENA_DEVILSROCK-808x606.jpg" alt="6_ISI_LENA_DEVILSROCK" width="808" height="606" /></p>
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		<title>Von ungleicher Gleichheit</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:51:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Berge]]></category>
		<category><![CDATA[Dorf]]></category>
		<category><![CDATA[Freunde]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Alles was ich wollte, war eine Dusche für ein paar Minuten. Doch ich bekam eine neue Freundin. Für eine halbe Stunde.</p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Wasser auf der Haut war alles, was ich wollte. Denn in den Bergen gab es nicht einmal einen kleinen Fluss. Dort hatte ich gerade ein paar Tage verbracht, Open Air geschlafen, gegessen, gefroren, geschwitzt, gelebt. Jeder Form von Waschen war ich also aufgeschlossen. Und ein Hamam wollte ich auf meinem Marokkotrip eh einmal ausprobieren. Also fuhren wir ins nächstgelegene Berberörtchen mit Hamam. Schon auf der Straße fielen wir auf. Weiße Frauen fallen auf an Orten, an denen nie weiße Frauen sind.</p>
<h3></h3>
<h3> <img class="alignnone size-large wp-image-182" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/Foto-3-1-1600x955.jpg" alt="Foto 3-1" width="720" height="429" /></h3>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignnone size-large wp-image-172" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/1-1600x1682.jpg" alt="1" width="720" height="756" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3></h3>
<p>Vor dem Hamam empfingen uns nette, sehr traditionell wirkende Berberfrauen. Keine von ihnen sprach eine Sprache, die ich spreche, sodass unser Berberfreund Mohammed der Frau meine Behandlung diktierte: Einmal alles überall abrubbeln, waschen und massieren. Das war zumindest seine Empfehlung. Und ich konnte eh nicht widersprechen. Als ich hineinging, sah ich zum ersten Mal während meiner Reise durch Marokko Frauen, die weniger anhatten, als ich. Nämlich nichts außer einem Slip. Auf den Straßen sieht man sie immer nur bis auf’s Gesicht verhüllt. Erst jetzt stellte ich fest, dass ich von dieser Verhüllung auch gleich auf eine Verklemmtheit geschlossen hatte. Dem war aber gar nicht so. Völlig frei und ungehemmt bewegten sich die Frauen dort in ihrer Nacktheit. Ich freute mich für sie. Es macht mich fröhlich, Menschen mit einem so natürlichen Körpergefühl zu sehen. Und dann noch Menschen, von denen ich es nicht erwartet hatte.</p>
<h3></h3>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-174" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/3.jpg" alt="3" width="736" height="600" /></p>
<h3></h3>
<p>Ich zog gleich mit ihnen, da kam auch schon meine Hamambehandlungsfrau – und zog sich aus. Genau wie alle anderen starrte auch sie mich an. Ich wollte mit ihr ein paar Worte wechseln. Wenn man sich schon so entblößt gegenüber steht, wollte ich versuchen, zumindest auch ein bisschen unsere Seelen einander zu entblößen. Jedoch verstanden wir uns einfach nicht und sie lief hilfesuchend in die Meute der sich waschenden und abrubbelnden Frauen. Heraus kam sie mit Féfé, einer jungen, wunderhübschen Studentin, die französisch und ein bisschen englisch sprach und mir helfen wollte. Ich war ihr unendlich dankbar, fühlte mich ihr gleich verbunden und schüttete ihr mein Herz aus. Ich konnte kaum aufhören zu reden. Nämlich, dass ich überhaupt nicht wusste, was ich machen soll, wo ich hin soll und was ich an- und ausziehen soll. Aus lauter Unwissen hatte ich sogar mein Bikinitop angezogen. Dafür lachte sie mich aus und befahl es gleich wieder auszuziehen. Wer war jetzt hier die Verklemmte?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da meine Hamambehandlungsfrau irgendwie wieder verschwunden war, nahm Féfé mich mit in den Steamerraum. Ich setzte mich mit auf ihre Matte, sie gab mir einen Schwamm und zeigte mir, wie ich mich damit abrubbeln sollte. Denn beim Hamam geht es darum, abgestorbene Haut zu entfernen, um wieder schöne, glatte Haut zu haben. Der Schwamm sah zwar eher aus, als würde ich mir fremde, alte Haut auf meine rubbeln, aber ok. In dem Steamerraum saßen unzählige andere marokkanische Frauen, die sich und ihre Kinder voller Elan mit dem Schwamm behandelten. Und dabei mich anstarrten. Ich hatte den Eindruck, sie hatten noch nie eine europäische Frau nackt gesehen. Zudem machten sie sich wahrscheinlich auch lustig über meine laienhafte Abrubbeltechnik und meine absolute Hilflosigkeit.</p>
<h3></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-175" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/2.jpg" alt="2" width="800" height="600" /></h3>
<h3></h3>
<p>Ich behandelte mich also mit dem Schwamm, versuchte dabei auszusehen wie die anderen Frauen und versuchte mich mit Féfé, meiner Heldin, zu unterhalten. Das war gar nicht so leicht, denn ihren englischen und meinen französischen Wortschatz hatten wir bald ausgeschöpft. Viele der anderen Frauen fragten sie nach mir und ließen mir Komplimente übermitteln. Ich denke aber, das war nur, weil sie so was wie mich zum ersten Mal sahen. Als ich gerade nicht mehr wusste, wo ich mich noch abrubbeln soll, kam meine Behandlungsfrau dazu – und räumte erstmal auf: Frische Wassereimer, anderer alter Schwamm, neuer Seifeschleimbrocken. Dann nahm sie den Schwamm in die Hand und begonn mich abzurubbeln. Mit einer Stärke, die ich nicht erwartet hätte, fing sie bei den Füßen an und arbeitete sich bis ins Gesicht vor, wobei sie akribisch darauf achtete, keine Stelle auszulassen. Dabei machte ich einfach alles, was sie befahl. Beine anwinkeln, Arme hoch, auf den Bauch legen. Auch wenn der Boden voll war von abgerubbelten Fremdhautschuppen. Auch wenn ich nicht wusste, wo der Schwamm vorher schon alles war. Ich machte einfach mit, denn ich fühlte mich ihr wahnsinnig ausgeliefert und hatte ein unwohliges Gefühl, ihr zu widersprechen. So bekam ich wenigstens die echte Hamamerfahrung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Also hair wash?“ fragte Féfé. „Yes, everything you say.“ Also bekam ich auch eine Shampoonierung mit einem sehr lieblosen, ziependen Kämmversuch im Anschluss. Jetzt hatte ich nicht nur Hautschuppen, sondern auch viele Haare dagelassen. Ich freute mich schon auf die Massage und hoffte anschließend noch einmal duschen zu können. Féfé und ich hatten uns unterdes so gern gewonnen, dass sie mich massieren wollte. Ich freute mich darüber, denn ich hatte das Gefühl, dass die Massage ein freundschaftliches Symbol war. An unsere verbalen Grenzen waren wir gelangt, aber nicht an die symbolischen. Es war zwar keine sonderlich gute Massage, aber trotzdem die beste, die ich je bekam. Denn mit ihr bekam ich eine neue Freundin. Féfé bat mich draußen zu warten, sodass wir noch Facebookkontakte austauschen konnten. Eine Dusche gab es leider nicht mehr, also ging ich mit all den eigenen und fremden Hautschuppen an mir hinaus und zog mich wieder an. Um mit frischer Luft gegen die Steamerhitze in mir anzukämpfen, ging ich vor die Tür, um dort auf Féfé zu warten. Ich kam gerade heraus, da kam auch schon mein mitreisender Freund Yaniz mit unseren zwei Berberfreunden Mohammed und Aisa angefahren. Ich gesellte mich zu den drei Männern in dem großen Truck. Wir unterhielten uns, hörten Musik und rauchten Zigaretten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dann kam Féfé aus dem Hamam. In ihrem marokkanischen Hausanzug und ihrem Kopftuch wirkte sie viel schüchterner als ich sie zuvor kennengelernt hatte. Sie sah mich in meiner westlichen Kleidung, in dem Truck sitzend, locker mit den Männern redend. Sie winkte mir nur verstohlen zu. Ich wollte meine neue Freundin zu meinen alten Freunden gesellen, doch das war nicht möglich. Ich verstand langsam, dass wir niemals Freunde sein können. In dem Hamam, beide nackt, beide befreit von kulturell sichtbaren Einflüssen waren wir einfach zwei Frauen. Zwei gleiche Frauen mit dem gleichen Bedürfnis, sich zu säubern. Vor dem Hamam hatten wir wieder unser Kulturgewand angezogen und waren plötzlich so verschieden, wie wir nur sein konnten. Ich sah, dass auch sie es genau so empfand.</p>
<h3></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-176" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/4.jpg" alt="4" width="800" height="600" /></h3>
<h3></h3>
<p>Weil ich wusste, dass sie nicht zu mir und den Männern kommen konnte und um ihr zu zeigen, dass mir all die Einflüsse um uns herum nichts ausmachten, ging ich zu ihr, an die Tür des Hamams. Ich sprach zu ihr genauso wie ich es noch zwanzig Minuten zuvor getan hatte. Ich berührte sie am Arm. Aber sie konnte es nicht erwidern. Sie ging in die Kassenkabine des Hamams, die Kassiererin war anscheinend eine Freundin von ihr. Eine Freundin, der sie nah sein konnte. Jetzt trennten uns neben einer ganzen Welt auch noch eine Glasscheibe mit Gitter davor. Ich kaufte von der Kassiererin ein Shampoo und einen Lolli, beides schenkte ich Féfé. Auch wenn sie es erst nicht annehmen wollte, freute sie sich. Dann bat ich sie um einen Zettel und schrieb ihr meinen Facebooknamen auf. Auch sie schrieb mir ihren auf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Einen Moment noch stand ich vor dem Auto. Kurz bevor wir fahren wollten, kam Féfé noch einmal zu mir und schenkte mir eine frische Orange zum Abschied. Noch lieber hätte ich sie mitgenommen.</p>
<h3><img class="alignnone size-large wp-image-181" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/Foto-2-2-1600x1200.jpg" alt="Foto 2-2" width="720" height="540" /></h3>
<h3></h3>
<p>Als ich Féfé gleich bei der nächsten WiFi-Gelegenheit schreiben wollte, konnte ich sie nicht finden. Erst Wochen später kontaktierte sie mich von ihr aus. In diesem Profil hätte ich sie nie erkannt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-179" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/9_FB.jpg" alt="9_FB" width="640" height="640" /></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-178" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/8_FB.jpg" alt="8_FB" width="600" height="400" /></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-177" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/09/7_FB.jpg" alt="7_FB" width="720" height="322" /></h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Gefangen im Paradies</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Aug 2014 17:47:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Lena]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Globale Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Gefangen]]></category>
		<category><![CDATA[Marrakesch]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Es gibt ihn wirklich: Den schönsten Ort der Welt, an dem es dir an nichts fehlt – und von dem du einfach nur weg willst. </p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Es gibt ihn wirklich: Den schönsten Ort der Welt, an dem es dir an nichts fehlt – und von dem du einfach nur weg willst.</strong></p>
<h3></h3>
<p>Zwei Tage und zwei Nächte hatten wir mitten in der Natur geschlafen. Unter freiem Himmel abends stark gefroren, morgens stark geschwitzt. Über jede Form von Zivilisation hätten wir uns also gefreut. Obwohl meine Freundin Isi und ich eigentlich ans Meer wollten, weil wir immer ans Meer wollen, willigten wir ein, mit Yaniz zu Jérome zu fahren.</p>
<p>Yaniz ist der Surffotograf, mit dem wir seit einiger Zeit durch Marokko reisen. Er ist ein halber Marokkaner und kennt daher gefühlt jeden ganzen Marokkaner und jeden schönen Spot in Marokko. Von all diesen Orten erzählt er immer etwas zu glorifiziert und schönmalerisch, sodass automatisch Zweifel an deren echter Existenz entstehen. Doch wenn er dann an diese Orte mit uns fährt, sind sie immer noch schöner und beeindruckender als seine Erzählungen. Was wiederum beeindruckend ist, denn ich habe noch nie erlebt, dass gezeichnete Übertreibung in überzeichneter Erfüllung mündet. Kamen Isi und ich an einem neuen Ort mit Yaniz an, gab es nach der ersten wuseligen Ankunft jedes Mal einen kleinen Moment, in dem wir plötzlich nebeneinander standen, schauten, schwiegen, uns anguckten – und einfach loslachen mussten. Weil es so unglaublich und so unglaublich schön war. Und weil wir dort waren. Wir hatten irgendwann das Gefühl, jeden neuen Ort erst einmal einlachen zu müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nächste Ort sollte nun Jéromes Palast sein. Jérome ist ein guter Freund von Yaniz und hat einen Palast. Den hat er, weil seine Familie ein guter Freund der Königsfamilie ist und die ziemlich viele Paläste haben. Alles, was wir wollten, war eine Dusche, also war auch eine Palastdusche für uns ok. Zudem wurde auch dieser Ort von Yaniz in den schönsten Farben beschrieben. Ein großer Palast am ruhigen, östlichen Rand Marrakeschs. Ein Palastgarten, durch seine Größe nur mit dem Auto und nicht mit den Füßen zu erobern. Jede Menge exotische Tiere, die in dem Garten leben. Ein Ort, an dem dir an nichts fehlt, weil alles, was du dir wünscht, sofort da ist. Anscheinend war das Einzige, was es zu fürchten gäbe, die Verführung der Schlange. Und genauso war es, nur noch schöner. Als die Tore für uns geöffnet wurden und wir in den Garten hineinfuhren, war uns, als würde Gesang ertönen. Unzählige Orangenbäume mit frischen Früchten machten die Luft zur süßen Verführung. Die vielen Tiere, die überall fletzten und fraßen, gaben dem Bild eine noch mystischere Atmosphäre. Sie schienen alle so zufrieden in sich zu ruhen. Wir sahen Rehe, einen Fasan, viele Schweife und Nasen undefinierbarer Arten und wir hörten unzählige wilde Vögeln, die eine Geräuschkulisse wie im Dschungel schafften. Am nächsten Morgen würde ein Känguru vor unserer Tür stehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><a href="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo.jpg"><img class="alignnone  wp-image-23" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-300x64.jpg" alt="Photo" width="745" height="159" /></a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jetzt kamen wir aber erst einmal an und bezogen unser Gästehaus. Ein eigenes Haus nur für uns, mit drei Bädern, einer Küche so groß wie meine gesamte Wohnung in Hamburg, einer Terasse voller Sofas und direkt davor einem Pool. Alles außergewöhnlich gepflegt und gesäubert. Von diesen Gästehäusern standen allein in Sichtweite etwa 20 herum. Aber das Beste waren zwei Dinge: Dusche und Klopapier. Das beides entdeckten wir, nachdem wir kurz auf dem Rasen saßen, unseren neuen Ort eingelacht und festgestellt hatten, dass wir die dreckigste Sache weit und breit waren. Also nutzten wir die Dusche, wuschen unsere Haare gleich zweimal und leerten großzügig eine ganze Rolle Klopapier. Denn der Wahnsinn: Es gab noch mehr davon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gleich danach ging es zum Diner mit Jéromes Familie. Sie hatten uns eingeladen, um mit Yaniz über ein paar Projekte zu reden und ebenso mit Todd. Todd nutzte das Bad ganz rechts in unserem Gästehaus. Er ist ein Freund von Yaniz und ein ziemlich erfolgreicher Architekt aus Norwegen. Seine Mission in Marrokko war Businessgespräche mit Jéromes Familie zu führen. Und das merkte man ihm auch an. Wenig Sinn für Abenteuer oder kleine Begegnungen, immer in Eile und immer sein Buch mit seinen Werken dabei. Trotz seiner Businessmission wirkte er dadurch manchmal etwas unbeholfen, was unbekannte Fürsorgegefühle in mir hervorruf. Ständig rettete ich ihn aus ihm unangenehmen Situationen, gab ihm nachts eine Mütze und morgens Zahnpasta. Todd war dennoch ein sehr angenehmer Mensch, den wir gerne in unsere kleine Reisefamilie aufgenommen hatten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><a href="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-2.jpg"><img class="alignnone  wp-image-20" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-2-300x225.jpg" alt="Photo-2" width="725" height="544" /></a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um zu dem Diner zu fahren, holte uns Jérome mit seinem riesigen, bulligen, lauten Auto ab. Nachdem wir so viel von ihm gehört hatten, freute ich mich darauf, ihn einmal zu treffen. Ich war gespannt, welche Art von Menschen sich hinter all diesem Sein und all diesen Geschichten verbergen. Jérome war ein typischer Surfertyp in Shorts und Shirt, mit leicht übertriebenen Muskeln und leicht übertriebener Lässigkeit. Er empfang uns sehr freundlich und auf dem Weg vom Vaterpalast zum Onkelpalast hörten wir Reggaemusik und plauderten über’s Surfen. Beim Onkel wartete schon die restliche Familie: zwei weitere Brüder, der Vater, der Onkel und all deren Frauen, von denen die Hälfte schwanger war. Um die Sippe zu erhalten. Auch sie empfingen uns alle sehr freundlich mit Bussi-Bussi. Neben dem Eingang hing ein Picasso, aber ich hatte schon jetzt keine Lust mehr, mir all den Luxus anzugucken, ich war interessiert an den Menschen. Wir hielten Smalltalk, tranken Wein, selbstgemachte Limonade oder alles was wir wollten. Die Hausangestellten wuselten die ganze Zeit in der Küche umher. Auch wenn ich mich mit ihren weißen Gewändern zeitversetzt fühlte und das Bedürfnis hatte, ihnen zu helfen, habe ich doch eine echte Zufriedenheit in ihnen gesehen. Sie bewegten sich zwar im Hintergrund, taten dies aber mit einem Stolz und einer Würde, die mich für sie freuen lies. Zum normalen Familiendiner gab es Fleisch vom japanischen Kobe-Rind und anderes Genfer Rind – extra eingeflogen. Plus unzählige aufwändige, europäische Salate. Das Kobe-Rind selbst zu braten ließ sich der Hausheer nicht nehmen. In der Küche selbst Hand anzulegen, war hier sehr ungewöhnlich, sodass ihm alle anderen großen Respekt zollten. Nach seinem Showkochen verschwand er auch erst einmal zum Duschen und Umziehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><a href="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-1.jpg"><img class="alignnone  wp-image-19" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-1-300x225.jpg" alt="Photo-1" width="696" height="522" /></a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alles war wahnsinnig lecker und alle zwangen uns noch mehr zu essen. Was ich aber eigentlich wollte, war den Smalltalk endlich verlassen zu können und mehr über die innere Welt dieser Menschen zu erfahren. Denn die äußere hatte ich nun zu Genüge gesehen. Doch vergeblich. Obwohl mich überhaupt nicht interessiert, wieviel Glamour, Macht und Besitz diese Menschen haben, schien doch trotzdem genau dies zwischen uns zu stehen. Es war einfach nicht möglich, ihre Oberfläche voller karamellisierter Macht zu durchdringen. Und ich verstand, dass dies wahrscheinlich nur sehr selten der Fall ist. Denn wer so viel um sich herum hat, kann nie wissen, ob sich andere auch für sein Inneres interessieren. Als ich das erkannte, taten sie mir allesamt leid. Genau andersherum wie alle anderen Marokkaner, führen diese Familie materialistisch ein ausgefülltes, aber zwischenmenschlich ein sehr leeres Leben. Ich würde es niemals mit ihnen tauschen wollen. Aus langer Weile spielen wir noch eine Partie Billard und fahren anschließend in unser Gästehaus. Für die Rückfahrt nehmen wir alle gemeinsam unser kleines, jetzt zerbrechlich wirkendes Familienauto.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Am nächsten Morgen wollen wir noch viel dringender zum Meer. Weil wir immer zum Meer wollen und weil wir das echte Leben auf der Außenseite dieser Palastmauern vermissen. So schön es hier auch ist, so artifiziell fühlt es sich auch an. Yaniz und Todd müssen noch bleiben, um weiter über Projekte zu sprechen. Sie sind zwar traurig, dass wir gehen wollen, aber überzeugen uns, nicht einen Linienbus, sondern einen Fahrer von Jérome zu nehmen. Na gut, denn das macht aus fünf nur zwei Reisestunden. Bis Ranchid abfahrbereit ist, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Ich streune noch ein bisschen allein durch den Garten, entdecke schönste Pflanzen und Tiere, sehe Gärtner und Hausangestellte, die mit dem gleichen Stolz wie die Dienstfrauen ihre Arbeit voller Zufriedenheit verrichten. Es ist wirklich eine schöne kleine Welt hier, aber alles, was ich will ist heraus aus dieser vollkommenen Vollkommenheit. Heraus aus diesen Mauern, dessen Tore nur vom glücklichen Torwärter geöffnet werden können. Nachdem ich noch dem Känguru ein bisschen durch die Bäume gefolgt war, setzte ich mich vor unser Gästehaus und warte. Warte auf Ranchid, der uns hier raus bringt. Als er endlich kam, sprang ich in sein Auto. Hierhin werde ich wahrscheinlich nie zurück kommen, aber alles, was ich brauche, hatte ich mir von hier mitgenommen: Eine Rolle Klopapier.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><a href="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-4.jpg"><img class="alignnone  wp-image-21" src="http://stories-i-tell.com/wp-content/uploads/2014/08/Photo-4-300x225.jpg" alt="Photo-4" width="727" height="545" /></a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jeder Ort hat seine Geschichten.<br />
Hier findest du noch mehr:</p>
<p>&nbsp;</p>
    <style type="text/css">
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</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="http://stories-i-tell.com/palast-in-marrakesch-marokko-gefangen-im-paradies/">Gefangen im Paradies</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="http://stories-i-tell.com"></a>.</p>
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